Archive for October, 2007

L’Innommable

Friday, October 12th, 2007

Nehmen wir also an, ich sei unbeweglich, obgleich es nicht wichtig ist, ob ich unbeweglich bin oder rollend immerfort den Platz wechsele, in der Luft oder in Berührung mit anderen Oberflächen, oder ob ich bald rolle, bald anhalte, da ich nichts spüre, weder Ruhe noch Wechsel, nichts was als Ausgangspunkt für eine Meinung in dieser Hinsicht dienen könnte, was nicht so wichtig wäre, wenn ich einige Kenntnisse allgemeiner Art hätte und dazu meine Vernunft gebrauchen könnte, aber ich fühle eben nichts, ich weiß nichts , und was das Denken angeht, so tue ich es gerade genug, um nicht zu schweigen, man kann das nicht denken nennen.

Nehmen wir also nichts an, weder, dass ich mich bewege, noch, dass ich mich nicht bewege, das ist sicherer, da dies nicht wichtig ist, und gehen wir zu Dingen über, die es sind. Welche? Diese Stimme, die spricht, die weiß, dass sie lügt, der gleichgültig ist, was sie sagt, die vielleicht zu alt und zu gedemütigt ist, um jemals endlich die Worte sagen zu können, die sie aufhören lassen, die weiß, dass sie unnütz, vergeblich ist, die sich nicht zuhört, sondern dem Schweigen lauscht, welches sie bricht, von wo eines Tages vielleicht wieder der lange helle Seufzer von Ankunft und Abschied zu ihr dringt, ist sie eine?

Ich werde keine Fragen mehr stellen, es gibt keine Fragen mehr, ich kenne keine mehr. Sie bricht aus mir hervor, sie erfüllt mich, sie schreit gegen meine Wände, es ist nicht meine, ich kann sie nicht anhalten, ich kann sie nicht hindern mich zu zerreißen, mich zu erschüttern, mich zu bestürmen. Es ist nicht meine, ich habe keine, ich habe keine Stimme, und ich muss sprechen, das ist alles, was ich weiß, darum muss ich kreisen, darüber muss ich sprechen, mit dieser Stimme, die nicht meine ist, aber nur meine sein kann, da es nur mich gibt, oder wenn es andere gibt als mich, denen diese Stimme gehören könnte, so kommen sie nicht bis zu mir, mehr sage ich nicht darüber, ich werde mich nicht klarer ausdrücken. Sie betrachten mich vielleicht von weitem, ich habe nichts dagegen, solange nur ich sie nicht sehe, wie ein Gesicht in der Aschenglut, von dem sie wissen, dass es dem Zerfall geweiht ist, aber es dauert zu lange, es wird spät, die Augen fallen zu, und morgen muss man beizeiten aufstehen.

Ich bin es also der spricht, ich ganz allein, da ich nicht anders kann. Nein, ich bin stumm. Wie wäre es übrigens, wenn ich schwiege? Was würde geschehen? Schlimmeres als mir geschieht? Aber das sind ja schon wieder Fragen. Das ist typisch. Ich kenne keine Fragen, und doch bricht mir alle Augenblicke eine aus dem Mund. Ich glaube zu wissen, was das ist. Der Diskurs soll nämlich nicht aufhören, dieser unnütze Diskurs, der mir nicht zustatten kommen wird, der mich dem Schweigen keine Silbe näher bringt. Aber ich bin auf der Hut, ich werde nicht mehr darauf antworten, ich werde nicht mehr so tun als versuchte ich es.

Ich werde vielleicht genötigt sein, um nicht zu versiegen, noch ein Märchen zu ersinnen, mit Köpfen, Rümpfen, Armen, Beinen und allem, was daraus folgt, die in das immergleiche Wechselspiel von unvollkommenen Schatten und zweifelhafter Klarheit geworfen werden, wie mir das schon passiert ist.

S. Beckett

L’Innommable

Wednesday, October 10th, 2007

Wo nun? Wann nun? Wer nun? Ohne es mich zu fragen. Ich sagen. Ohne es zu glauben. So was Fragen, Hypothesen nennen. Fortschreiten, so was schreiten nennen, so was fort nennen. Sollte ich eines Tages, nun mal los, einfach dageblieben sein, wo, statt, einer alten Gewohnheit folgend, auszugehen, um Tag und Nacht möglichst weit von mir zu verbringen, es war nicht weit. Vielleicht hat dies so begonnen. Ich werde mir keine Fragen stellen. Man meint, sich nur auszuruhen, um danach besser handeln zu können, oder ohne Hintergedanken, und siehe da, nach kurzer Zeit ist es einem unmöglich, jemals wieder etwas zu tun. Nicht so wichtig, wie es dazu kam. Es, es sagen, ohne zu wissen was. Vielleicht tat ich nichts anderes, als eine alte Tatsache billigen. Ich tat jedoch nichts. Ich scheine zu sprechen, es ist nicht ich, über mich, es ist nicht über mich. Diese wenigen allgemeinen Bemerkungen, um zu beginnen. Was tun, was werde ich tun, was soll ich tun, in meiner Lage, wie verfahren? Mittels reiner Aporie oder aber mittels Affirmationen und Negationen, die von Fall zu Fall, oder früher oder später, entkräftet werden. Allgemein gesagt, Es muss noch andere Ausflüchte geben. Andernfalls wäre es zum Verzweifeln. Aber es ist zum Verzweifeln. Es ist festzustellen, bevor ich noch weiter fortschreite, noch weiter fort, dass ich Aporie sage, ohne zu wissen, was es bedeutet. Kann man anders als unbewusst zweiflerisch sein? Ich weiß nicht. Die Jas und Neins sind etwas anderes, sie werden mir in dem Maße, wie ich vorankomme, wieder einfallen, ebenso wie die Art, darauf zu scheißen, früher oder später, wie ein Vogel, ohne auch nur eines zu vergessen. Das sagt man so. Es scheint eine Tatsache zu sein, wenn man in meiner Lage noch von Tatsachen sprechen kann, dass ich nicht nur über Dinge zu sprechen habe, über die ich nicht sprechen kann, sondern auch, was noch interessanter ist, dass ich, was noch interessanter ist, dass ich, ich weiß nicht mehr, das macht nichts. Ich bin jedoch genötigt, zu sprechen. Ich werde nie schweigen. Nie.

Ich werde nicht allein sein, im Anfang. Ich bin es natürlich. Allein. Das ist schnell gesagt. Es muss schnell gesagt werden. Kann man es überhaupt wissen, in solcher Finsternis? Ich werde Gesellschaft haben. Um zu beginnen. Ein paar Puppen. Ich werde sie fallen lassen, später. Wenn ich kann. Und die Dinge, wie muss ich mich den Dingen gegenüber verhalten? Zunächst einmal, sind sie nötig? Welche Frage. Ich mache mir jedoch keinen Hehl daraus, dass mit ihnen zu rechnen ist. Es ist das Beste, in dieser Beziehung nichts festzusetzen, von vornherein. Wenn sich aus dem einen oder anderen Grunde ein Ding zeigt, es in Betracht ziehen. Wo Leute sind, sagt man, sind Dinge. Soll das heißen, dass man, wenn man jene gelten lässt, auch diese gelten lassen muss? Es wird sich zeigen. Zu vermeiden, ich weiß nicht warum, ist der systematische Geist. Leute mit Dingen, Leute ohne Dinge, Dinge ohne Leute, nicht so wichtig, ich rechne damit, dies alles in kurzer Zeit abtun zu können. Ich weiß noch nicht wie. Das Einfachste wäre, nicht zu beginnen. Ich bin jedoch genötigt zu beginnen. Das heißt, dass ich genötigt bin weiterzumachen. Ich werde schließlich vielleicht von wer weiß was umgeben sein, auf einem wahren Rummelplatz. Unablässiges Kommen und Gehen Jahrmarktstrubel. Nur keine Bange, ach was.

Samuel Beckett

God cannot destroy himself

Monday, October 1st, 2007

We had tea to breakfast and now we are talking about rain from the stars.