L’Innommable
Nehmen wir also an, ich sei unbeweglich, obgleich es nicht wichtig ist, ob ich unbeweglich bin oder rollend immerfort den Platz wechsele, in der Luft oder in Berührung mit anderen Oberflächen, oder ob ich bald rolle, bald anhalte, da ich nichts spüre, weder Ruhe noch Wechsel, nichts was als Ausgangspunkt für eine Meinung in dieser Hinsicht dienen könnte, was nicht so wichtig wäre, wenn ich einige Kenntnisse allgemeiner Art hätte und dazu meine Vernunft gebrauchen könnte, aber ich fühle eben nichts, ich weiß nichts , und was das Denken angeht, so tue ich es gerade genug, um nicht zu schweigen, man kann das nicht denken nennen.
Nehmen wir also nichts an, weder, dass ich mich bewege, noch, dass ich mich nicht bewege, das ist sicherer, da dies nicht wichtig ist, und gehen wir zu Dingen über, die es sind. Welche? Diese Stimme, die spricht, die weiß, dass sie lügt, der gleichgültig ist, was sie sagt, die vielleicht zu alt und zu gedemütigt ist, um jemals endlich die Worte sagen zu können, die sie aufhören lassen, die weiß, dass sie unnütz, vergeblich ist, die sich nicht zuhört, sondern dem Schweigen lauscht, welches sie bricht, von wo eines Tages vielleicht wieder der lange helle Seufzer von Ankunft und Abschied zu ihr dringt, ist sie eine?
Ich werde keine Fragen mehr stellen, es gibt keine Fragen mehr, ich kenne keine mehr. Sie bricht aus mir hervor, sie erfüllt mich, sie schreit gegen meine Wände, es ist nicht meine, ich kann sie nicht anhalten, ich kann sie nicht hindern mich zu zerreißen, mich zu erschüttern, mich zu bestürmen. Es ist nicht meine, ich habe keine, ich habe keine Stimme, und ich muss sprechen, das ist alles, was ich weiß, darum muss ich kreisen, darüber muss ich sprechen, mit dieser Stimme, die nicht meine ist, aber nur meine sein kann, da es nur mich gibt, oder wenn es andere gibt als mich, denen diese Stimme gehören könnte, so kommen sie nicht bis zu mir, mehr sage ich nicht darüber, ich werde mich nicht klarer ausdrücken. Sie betrachten mich vielleicht von weitem, ich habe nichts dagegen, solange nur ich sie nicht sehe, wie ein Gesicht in der Aschenglut, von dem sie wissen, dass es dem Zerfall geweiht ist, aber es dauert zu lange, es wird spät, die Augen fallen zu, und morgen muss man beizeiten aufstehen.
Ich bin es also der spricht, ich ganz allein, da ich nicht anders kann. Nein, ich bin stumm. Wie wäre es übrigens, wenn ich schwiege? Was würde geschehen? Schlimmeres als mir geschieht? Aber das sind ja schon wieder Fragen. Das ist typisch. Ich kenne keine Fragen, und doch bricht mir alle Augenblicke eine aus dem Mund. Ich glaube zu wissen, was das ist. Der Diskurs soll nämlich nicht aufhören, dieser unnütze Diskurs, der mir nicht zustatten kommen wird, der mich dem Schweigen keine Silbe näher bringt. Aber ich bin auf der Hut, ich werde nicht mehr darauf antworten, ich werde nicht mehr so tun als versuchte ich es.
Ich werde vielleicht genötigt sein, um nicht zu versiegen, noch ein Märchen zu ersinnen, mit Köpfen, Rümpfen, Armen, Beinen und allem, was daraus folgt, die in das immergleiche Wechselspiel von unvollkommenen Schatten und zweifelhafter Klarheit geworfen werden, wie mir das schon passiert ist.
S. Beckett