In girum imus nocte et consumimur igni
Thursday, May 7th, 2009
Das Spektakel ist eine Art losgelöster Automatismus des Kapitalismus. Es bewegt sich scheinbar unaufhaltsam zum Zwecke des ewigen, ständig wachsenden Flusses, um die Waren, um die Wirtschaft und um die einzelnen Staatsformen.
Das Spektakel ist die Organisation, die Gesamtheit und der Zusammenhang aller wirtschaftlichen und der meisten kulturellen oder politischen Prozesse im modernen Industriestaat und das gesellschaftliche Verhältnis zwischen Personen, das hierbei entsteht. Es ist eine ‘nicht mehr unmittelbar greifbare Welt’ (Th. 18) und ein Zustand ‘in dem die Abwesenheit jeglicher Kommunikation freudig proklamiert wird.’ (Th. 192)
Die ‘Herrschaft der Wirtschaft’ findet ihre Fortsetzung der ‘Degradierung des Seins zum Haben’ in der ‘Verschiebung vom Haben zum Scheinen’
.
‘… diese Zeit, welche das Bild der Sache, die Kopie dem Original, die Vorstellung der Wirklichkeit, den Schein dem Wesen vorzieht…; denn heilig ist ihr nur die Illusion, profan aber die Wahrheit. Ja die Heiligkeit steigt in ihren Augen in demselben Maße, als die Wahrheit ab- und die Illusion zunimmt, so dass der höchste Grad der Illusion für sie auch der höchste Grad der Heiligkeit ist.’

.
Das Bild ist ein unverzichtbares Medium aller Zusammenhaenge unseres Lebens geworden. Es verkoerpert das Ziel und den Weg, das Mittel und den Zweck der Bestrebungen der Menscheit, sei es in Politik, Wirtschaft und Kultur.
Gemeint ist nicht nur das Bild als Objekt, sondern auch das virtuelle Bild als Konstrukt in unseren Koepfen. Das Bild ist die Abstraktion von allem Wirklichen und das Konzert der Bilder ist die Konstruktion der Wirklichkeit.
Es zeigt.
Aber noch vielmehr versucht es zu sein
und zwar das, was nicht existiert: Wahrhaftigkeit.
Wahrhaftig jedoch im Sinne einer profanen Oberflaeche, die nicht einmal nach einer Tiefe fragt. Die Wahrhaftigkeit drueckt sich in diesem Fall so aus: sie ist Frage und Antwort zugleich, dadurch das niemand fragt und niemand antwortet. Sie ist Anfang und Ende, Vergangenheit und Zukunft. Sie ist pur durch makellose Schoenheit, sinnfreien Optimusmus und absolute Leere.
Das Bild ist ein Objekt. Wer hat jedoch das Bestreben ein Objekt zu sein?
Wir bewegen uns in einer Ansammlung von Bildern.
Irgendetwas wollen Bilder immer sagen, sie sind Sprache.
Und irgendetwas wollen Gesichter immer sagen, sie sind Ausdruck.
.

.

.