Archive for February, 2007

Max Frisch – Fragebogen

Monday, February 26th, 2007

.1 Tun Ihnen die Frauen leid?
.2 Warum? (Warum nicht?)
.3 Wenn in den Händen und Augen und Lippen einer Frau sich Erregung ausdrückt, Begierde usw., weil Sie sie berühren: beziehen Sie das auf sich persönlich?
.4 Wie stehen Sie zu Männern:
(a wenn Sie der Nachfolger sind?
(b wenn Sie der Vorgänger sind?
(c wenn Sie dieselbe Frau gleichzeitig lieben?
.5 Haben Sie Ihre Lebensgefährtin gewählt?
.6 Kommt es nach Jahr und Tag zum freundlichen Wiedersehen mit früheren Gefährtinnen: überzeugt Sie dann Ihre einstige Paarschaft oder verwundert es Sie, d.h. haben Sie dann den Eindruck, daß Ihre berufliche Arbeit und Ihre politischen Ansichten sie wirklich interessiert haben, oder scheint es Ihnen heute, daß man sich alle diesbezüglichen Gespräche hätte sparen können?
.7 Befremdet Sie eine kluge Lesbierin?
.8 Meinen Sie zu wissen, wodurch Sie die Liebe einer Frau gewinnen, und wenn es sich eines Tages herausstellt, wodurch Sie die Liebe einer Frau tatsächlich gewonnen haben: zweifeln Sie an ihrer Liebe?
.9 Was bezeichnen Sie als männlich?
.10 Haben Sie hinreichende Beweise dafür, daß sich die Frauen für bestimmte Arbeiten, die der Mann für sich als unwürdig empfindet, besonders eignen?
.11 Was hat Sie am häufigsten verführt:
(a Mütterlichkeit?
(b daß Sie sich bewundert wähnen?
(c Alkohol?
(d die Angst, kein Mann zu sein?
(e Schönheit?
(f die voreilige Gewißheit, daß Sie der überlegene Teil sein werden und sei es als liebevoller Beschützer?
.12 Wer hat den Kastrationskomplex erfunden?
.13 In welchem der beiden Fälle sprechen Sie liebevoller von einer vergangenen Paarschaft: wenn Sie eine Frau verlassen haben oder wenn Sie verlassen worden sind?
.14 Lernen Sie von einer Liebesbeziehung für die nächste?
.15 Wenn Sie mit Frauen immer wieder dieselbe Erfahrung machen: denken Sie, daß es an den Frauen liegt, d.h. halten Sie sich infolgedessen für einen Frauenkenner?
.16 Möchten Sie Ihre Frau sein?
.17 Woher wissen Sie mehr über die intimen Beziehungen zwischen den Gechlechtern: aus dem Gespräch mit andern Männern oder aus dem Gespräch mit Frauen? Oder erfahren Sie das meiste ohne Gespräch: aus den Reaktionen der Frauen, d.h. indem Sie merken, was Frauen gewohnt sind und was nicht, was sie von einem Mann erwarten, befürchten usw.?
.18 Wenn Sie das Gespräch mit einer Frau anregt: wielange gelingt es Ihnen, ein solches Gespräch zu führen, ohne beiläufig auf Gedanken zu kommen, die Sie verschweigen, weil sie nicht zum Thema gehören?
.19 Können Sie sich eine Frauenwelt vorstellen?
.20 Was trauen Sie der Frau nicht zu:
(a Philosophie?
(b Organisation?
(c Kunst?
(d Technologie?
(e Politik?
und bezeichnen Sie daher eine Frau, die sich nicht an Ihr männliches Vorurteil hält, als unfraulich?
.21 Was bewundern Sie an Frauen?
.22 Möchten Sie von einer Frau ausgehalten werden:
(a durch ihre Erbschaft?
(b durch ihre Berufsarbeit?
.23 Und warum nicht?
.24 Glauben Sie an Biologie, d.h. daß das derzeitige Verhältnis zwischen Mann und Frau unabänderlich ist, oder halten Sie es beispielsweise für ein Resultat der jahrtausendelangen Geschichte, daß die Frauen für ihre Denkweise keine eigene Grammatik haben, sondern auf die männliche Sprachregelung angewiesen sind und infolgedessen unterlegen?
.25 Warum müssen wir die Frauen nicht verstehen?

art.index

Monday, February 26th, 2007

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art.index – Joanna Gorlach

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art.index – Akif Hakan Celebi

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art.index – Uwe Krahn

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lucky luke

Thursday, February 22nd, 2007

Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen,
zu seinem Unglück schon.

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Warum ich so gute Bücher schreibe

Thursday, February 22nd, 2007

. – Zuletzt kann Niemand aus den Dingen, die Bücher eingerechnet, mehr heraushören, als er bereits weiss. Wofür man vom Erlebnisse her keinen Zugang hat, dafür hat man kein Ohr. Denken wir uns nun einen äussersten Fall, dass ein Buch von lauter Erlebnissen redet, die gänzlich ausserhalb der Möglichkeit einer häufigen oder auch nur seltneren Erfahrung liegen, – dass es die erste Sprache für eine neue Reihe von Erfahrungen ist. In diesem Falle wird einfach Nichts gehört, mit der akustischen Täuschung, dass wo Nichts gehört wird, auch Nichts da ist – .

Nietzsche

scatterbrained

Monday, February 19th, 2007

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Cut While Shaving

Tuesday, February 13th, 2007

It’s never quite right, he said, the way people look,
the way the music sounds, the way the words are written.
It’s never quite right, he said, all the things we are
taught, all the loves we chase, all the deaths we
die, all the lives we live,
they are never quite right,
they are hardly close to right,
these lives we live
one after the other,
piled there as history,
the waste of the species,
the crushing of the light and the way,
it’s not quite right,
it’s hardly right at all
he said.

don’t I know it? I
answered.

I walked away from the mirror.
it was morning, it was afternoon, it was
night

nothing changed
it was locked in place.
something flashed, something broke, something
remained.

I walked down the stairway and
into it.

Bukowski

Der wahre Weg geht über ein Seil…

Saturday, February 10th, 2007

Alle menschlichen Fehler sind Ungeduld, ein vorzeitiges Abbrechen des Methodischen, ein scheinbares Einpfählen der scheinbaren Sache.

Von einem gewissen Punkt an gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser Punkt ist zu erreichen.

Eines der wirksamsten Verführungsmittel des Bösen ist die Aufforderung zum Kampf.

Er ist wie der Kampf mit Frauen, der im Bett endet.

Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben. Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar. Man schämt sich nicht mehr, sterben zu wollen; man bittet, aus der alten Zelle, die man haßt, in eine neue gebracht zu werden, die man erst hassen lernen wird. Ein Rest von Glauben wirkt dabei mit, während des Transportes werde zufällig der Herr durch den Gang kommen, den Gefangenen ansehen und sagen: »Diesen sollt ihr nicht wieder einsperren. Er kommt zu mir.«

Ein Käfig ging einen Vogel suchen.

Du bist die Aufgabe. Kein Schüler weit und breit.

Einer staunte darüber, wie leicht er den Weg der Ewigkeit ging; er raste ihn nämlich abwärts.

Man lügt möglichst wenig, nur wenn man möglichst wenig lügt, nicht wenn man möglichst wenig Gelegenheit dazu hat.

Prüfe dich an der Menschheit. Den Zweifelnden macht sie zweifeln, den Glaubenden glauben.

Der Geist wird erst frei, wenn er aufhört, Halt zu sein.

Wahrheit ist unteilbar, kann sich also selbst nicht erkennen; wer sie erkennen will, muß Lüge sein.

Kafka

Es blendete uns die Mondnacht.

Saturday, February 3rd, 2007

Das entscheidend Charakteristische dieser Welt ist ihre Vergänglichkeit. In diesem Sinn haben Jahrhunderte nichts vor dem augenblicklichen Augenblick voraus. Die Kontinuität der Vergänglichkeit kann also keinen Trost geben; daß neues Leben aus den Ruinen blüht, beweist weniger die Ausdauer des Lebens als des Todes. Will ich nun diese Welt bekämpfen, muß ich sie in ihrem entscheidend Charakteristischen bekämpfen, also in ihrer Vergänglichkeit. Kann ich das in diesem Leben, und zwar wirklich, nicht nur durch Hoffnung und Glauben?

Du willst also die Welt bekämpfen, und zwar mit Waffen, die wirklicher sind als Hoffnung und Glaube. Solche Waffen gibt es wahrscheinlich, aber sie sind nur unter bestimmten Voraussetzungen erkennbar und brauchbar; ich will zuerst sehn, ob du diese Voraussetzungen hast.

Sieh nach, aber wenn ich sie nicht habe, kann ich sie vielleicht erwerben.

Gewiß, aber dabei könnte ich dir nicht helfen. Du kannst mir also nur helfen, wenn ich die Voraussetzungen schon erworben habe.

Ja, genauer gesagt kann ich dir überhaupt nicht helfen, denn wenn du die Voraussetzungen hättest, hättest du schon alles. Wenn es so steht, warum wolltest du mich also erst prüfen?

Nicht um dir zu zeigen, was dir fehlt, sondern, daß dir etwas fehlt. Einen gewissen Nutzen hätte ich dir damit vielleicht bringen können, denn du weißt zwar, daß dir etwas fehlt, aber du glaubst es nicht.

Du bietest mir also auf meine ursprüngliche Frage nur den Beweis dafür an, daß ich die Frage stellen mußte.

Ich biete doch etwas mehr, etwas, was du entsprechend deinem Stande jetzt überhaupt nicht präzisieren kannst. Ich biete den Beweis dafür, daß du eigentlich die ursprüngliche Frage anders hättest stellen müssen.

Kafka